Ein Platz hat 18 Löcher, ein Bag 14 Schläger und eine Runde 72 Strokes - Eigentlich! 

Dass eine volle Runde über 18 Löcher geht wissen alle - Golfer und Nicht-Golfer. Manche Plätze bieten genau 18 Bahnen für das Vergnügen, andere nur sechs und wieder andere gar 36 oder noch mehr. Und gleich vorneweg: die Zahl der Fairways sagt genauso wenig über den Reiz eines Golfplatzes aus, wie die Länge einer Yacht über dessen Eleganz oder die Anzahl der Schläger im Bag über das Handicap!

Die ersten Golfplätze verfügten über eine willkürliche Anzahl von Bahnen. Der alte Leith Links hatte fünf Löcher als die Honourable Company of Edinburgh, die zu der Zeit noch Gentleman Golfers of Leith hieß, im Jahre 1744 dort das erste festgehaltene Golfturnier abhielt. Später kamen noch zwei Löcher dazu. Sieben Löcher waren dann für einige Zeit der Standard, wenn auch einige Golf Clubs zwölf, acht, sechs oder elf Bahnen boten. Es ging einfach um die Freude am Spiel, den Ball zu schlagen und mit Freunden eine, wie auch immer benummerte, Runde zu spielen, jenseits von Handicap und Platzreife. Etikette allerdings war auch schon damals von Wichtigkeit: unter Androhung einer Geldstrafe schrieben viele Clubs rote Jacken vor.    

Der Old Course von St. Andrews verfügte im Jahr 1764 über zwölf Spielbahnen, von denen zehn auf der Runde zweimal gespielt wurden, was zu insgesamt 22 zu spielenden Löchern führte. Im selben Jahr wurde der Old Course auch verändert und man spielte nun 18 Löcher auf 10 Spielbahnen. Kurios dabei ist daß die doppelt zu spielenden Bahnen nicht doppelte Abschläge hatten, sondern die Grüns - die sogenannten “Doublegreens” - zwei Löcher! Die Flaggen der ersten acht Löcher hatten eine Farbe, das Green der neun und der 18 hatte nur ein Loch und die Flagge musste Weiß sein, die Flaggen der Löcher 10 bis 17 wieder eine andere Farbe. 

Wer sich solche Regeln ausdenkt und dann auch umsetzt? Mit viel Zeit und Fantasie gesegnete englische Gentlemen natürlich! Das Ende der Unordnung kam mit Old Tom Morris, der zwar kein adliger Gentleman, sondern ein höchst talentierter Golfer und Greenkeeper des Old Course in St. Andrews war und der wie niemand zuvor die Kunst einen Golfplatz anzulegen revolutionierte und beherrschte. Zahlreiche Neuerungen gehen auf ihn zurück, wobei die vom Fairway separaten Abschläge besonders nennenswert sind. Man kann Old Tom Morris getrost als den Erfinder moderner und gepflegter Golfplätze ansehen, dessen Meisterwerk der Old Course und sein Beitrag zu den British Open ist, die er übrigens auch mehrmals gewann.   

Von 1872 an wurden die British Open in Rotation ausgetragen: ein Jahr auf dem 12-Loch Platz Prestwick, ein Jahr auf dem 9-Loch Platz Musselburgh und dann auf dem Old Course St. Andrews. Immer wurden 36 Loch gespielt. Die 18 Loch Runde wurde also auf den drei führenden Golf Clubs der Welt zum Standard und daran orientierte sich der Rest des damals noch recht überschaubaren Golfuniversums.  

Aber auch wenn eine Runde über 18 Loch gespielt wurde, war man noch weit davon entfernt ausschließlich Plätze mit 18 Bahnen vorzufinden, denn selbst im Jahr 1919 verfügten noch gut die Hälfte aller Golfplätze im Vereinigten Königreich über nur 9 Fairways. Man hielt es vielerorts wohl für ausreichend. 

 Golf existiert schon seit langer Zeit. Vielen Menschen wurde es zur sportlichen Leidenschaft, andere sehen es als nettes Hobby, wieder andere genießen mehr das "Drumherum", die Geselligkeit oder die Gastronomie als das Spiel selbst, die Mehrzahl jedoch hat einfach Freude an dem "Spaziergang mit Sinn". Und bei einem Spaziergang durch den Wald fragt man ja auch nicht immer über wieviele Hektar sich denn der Wald erstreckt oder ob der Park auch genügend Kilometer Spazierweg aufweist. Schön ist schön und ein Birdie macht immer Spaß. Wenn die Länge stimmt, der Platz sich harmonisch in die Natur einfügt und die Gastronomie auf der Höhe ist, kann ein 9-Loch Platz einen ebenso wunderbaren Golftag bereiten wie ein vermeintlich kompletter Parcours! 

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